Juliana von Norwich

In der 13. Offenbarung werden Juliana tiefe Einsichten und Erfahrungen geschenkt zum Glauben an die Göttliche Vorsehung. Sie schreibt:

Einmal sagte unser gütiger Herr: ‘Alles jeglicher Art wird gut werden’, und ein andermal sprach er: ‘Du sollst selbst sehen, dass ein jegliches Ding gut werden wird.’ Und in jedem dieser beiden Worte erkannte die Seele etwas Besonderes:

Erstens, wir sollen wissen, dass er nicht nur edle und große Dinge beachtet, sondern auch geringe und kleine, niedrige und einfältige, eins wie das andere. Das meint er, wenn er spricht: “Alles jeglicher Art wird gut werden”; denn wir sollen wissen, dass auch das Geringste nicht vergessen wird.

Zweitens sollen wir begreifen: Viele böse Taten werden vor unseren Augen getan, und so großer Schaden geschieht, dass es uns unmöglich scheint, dass es je zu einem guten Ende kommen könnte; darauf schauen wir mit Gram und Trauer, und wir können nicht ruhen in dem gnadenvollen Anblick Gottes, wie wir es tun sollten; und dies ist die Ursache: Unsere Vernunft ist jetzt so blind, niedrig und einfältig, dass wir die hohe, wunderbare Weisheit, Macht und Güte der gnadenreichen Dreieinigkeit nicht erkennen können. Das meint er, wenn er spricht: “Du wirst selber sehen, dass alles jeglicher Art gut sein wird” – als hätte er gesagt: Nimm es auf im Glauben und Vertrauen, und endlich wirst du wahrhaft in der Fülle der Freude leben!

Juliana von Norwich 1342-1413 (?)